Aktueller Umsetzungsstand beim Kreisentwicklungskonzept
Im Mai 2024 wurde vom Kreistag Ostprignitz-Ruppin das Kreisentwicklungskonzept 2035+ beschlossen. Es soll die Weichen für künftige Entwicklungen in unserem Landkreis stellen. Was sich seit dem Kreistagsbeschluss bei den geplanten Projekten getan hat, darüber informierte Vize-Landrat Werner Nüse im Ausschuss für Wirtschaft , Bauen und Vergabe.
Dabei richtete der Erste Beigeordnete und Dezernent für Bauen, Ordnung, Umwelt des Landkreises seinen Blick auf die vier Handlungsfelder Mobilität, Wirtschaft, Gesundheit und Teilhabe sowie Umwelt und Energie, in denen der Landkreis tätig werden kann und soll. Die Handlungsfelder beinhalten insgesamt 35 Projekte. Dabei handelt es sich um Vorhaben, die für den gesamten Landkreis von Bedeutung sind, zur Überwindung der regionalen Herausforderungen beitragen sollen und einen möglichst modellhaften bzw. innovativen Charakter aufweisen.
Auf der Webseite des Kreisentwicklungskonzepts 2035+ werden die einzelnen Projekte vorgestellt.
Im Handlungsfeld Mobilität spielt der Bereich Schienenverkehr eine wichtige Rolle. Hier steht der Landkreis weiter in engem Austausch mit den Kommunen und Nachbarregionen, insbesondere was den Einsatz für den Erhalt sowie den Ausbau der Bahnstrecke von Neustadt (Dosse) über Kyritz, Pritzwalk, Meyenburg und Karow bis nach Güstrow angeht. Das Ergebnis einer Nutzen-Kosten-Untersuchung der Bundesländer Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern wird für Ende des 1. Quartals 2025 erwartet. Vize-Landrat Werner Nüse: "Der Wille, die Strecke zu reaktivieren, besteht offenkundig auch im Brandenburger Verkehrsministerium. Voraussetzung ist aber auch eine Förderung durch den Bund und die Zusammenarbeit mit Mecklenburg-Vorpommern."
Ebenfalls in der weiteren Bearbeitungsphase befindet sich die angestrebte Intensivierung von Kooperationen mit benachbarten Landkreisen beim Busverkehr. Beim so genannten "Schnittstellenmanagement" geht es um die Optimierung zwischen den sich tangierenden Rufbusgebieten an den Kreisgrenzen sowie um die kreisgrenzenübergreifenden Buslinien. So laufen derzeit konkrete Abstimmungen, etwa beim Rufbusangebot zwischen Gransee (Landkreis Oberhavel) und der Sportschule in Lindow (Mark) in unserem Landkreis. Betont wird in diesem Zusammenhang, dass die Kooperation mit den Nachbarlandkreisen eine fortlaufende Aufgabe darstellt. Bereits seit Anfang 2024 besteht die bisher gut angenommene Linie 758, die zwischen Fehrbellin und Nauen im Landkreis Havelland verkehrt.
Ein weiterer wichtiger Punkt im Kreisentwicklungskonzept ist die Verstetigung von Pilotvorhaben zur Schaffung umweltfreundlicher und alternativer Mobilitätsangebote im ländlichen Raum. Ein Schritt in diese Richtung gelang im Juli des vergangenen Jahres mit einer Fortsetzung der Dorfmobilförderung. In Flecken Zechlin ging das "FleckoMobil" an den Start, das zweite elektrisch betriebene und vom Landkreis geförderte Dorfmobil nach Barsikow, wo vor fünf Jahren die Premiere gefeiert werden durfte. Dorfmobile funktionieren nach dem Carsharing-Prinzip: Verschiedene Nutzer:innen in einem Dorf teilen sich ein Auto.
Im Handlungsfeld Wirtschaft werden ebenfalls mehrere Projekte in Angriff genommen und befinden sich in weiten Teilen bereits in der Umsetzung. Mit das größte Vorhaben, vor allem was die Investitionen betrifft, stellt die Fortsetzung des Breitbandausbaus im Landkreis dar. Mit dem so genannten "Graue-Flecken-Programm" soll der Breitbandausbau auf die nächste Stufe gehoben werden und noch unterversorgte Bereiche, die nicht über leistungsfähige Breitbandanschlüsse für das zukunftsfähige schnelle Internet verfügen, erreicht werden. Der Beginn dieser Ausbaustufe soll noch im Laufe dieses Jahres beginnen.
Und wo schnelles Internet möglich ist, können sich auch Unternehmen einfacher ansiedeln und eine positive Entwicklung nehmen. Unter anderem auch vor diesem Hintergrund wird die REG Regionalentwicklungsgesellschaft Nordwestbrandenburg GmbH als Wirtschaftsförderungsinstitution des Landkreises ein Gewerbeflächenentwicklungskonzept (GEFEK) erarbeiten lassen. Der Landkreis steht dabei in engem inhaltlichem Austausch mit der REG. Es ist beabsichtigt, bis Ende 2025 das GEFEK fertigzustellen und zu veröffentlichen.
Zu den Projekten, die darüber hinaus von der REG im Rahmen des Kreisentwicklungskonzepts 2035+ betreut werden, gehört der Aufbau einer Willkommensagentur. Ziel der Agentur soll es sein, Menschen für ein Leben in unserer Region (wieder) zu gewinnen, also beispielsweise ehemalige Ostprignitz-Ruppiner:innen, die irgendwann mal weggezogen sind und sich eine Rückkehr vorstellen können. Aber auch Menschen, die bisher den Landkreis noch nicht kennen, sollen angesprochen und für Ostprignitz-Ruppin begeistert werden. Im zweiten Halbjahr 2024 gab es einen inhaltlichen Austausch zwischen dem Welcome Service Center Nordwestmecklenburg und der Kreisverwaltung zu Fragen der Umsetzung des Vorhabens. Eine erste Konzeptskizze wurde zwischen der REG und dem Landkreis erarbeitet. Derzeit werden von der REG Fördermöglichkeiten geprüft.
Innerhalb des Handlungsfeldes Gesundheit und Teilhabe sind mehrere Projekte derzeit in Bearbeitung. Aufgenommen in das Kreisentwicklungskonzept wurde unter anderem der kreisliche Wettbewerb "Unser Dorf lebt durch uns!", der 2025 zum nunmehr neunten Mal stattfindet und mit dem Arbeit sowie das Engagement der Vereine und Interessengruppen gewürdigt werden soll. Der Landkreis möchte mit der Aufnahme des Projekts in das Kreisentwicklungskonzept die hohe Bedeutung dieses Wettbewerbs herausstellen und das Format damit weiter verstetigen.
Im weiteren Aufbau befindet sich auch ein Weiterbildungsverbund zur besseren Organisierung der Facharztausbildung von Haus- und später auch Fachärzten im Landkreis. Ziel ist es, die in Ausbildung befindlichen Ärztinnen und Ärzte durch das Angebot des Weiterbildungsverbundes perspektivisch an den Landkreis zu binden. Auf Grundlage eines Kreistagsbeschlusses im Oktober 2024 ging der Landkreis OPR eine Kooperation mit der Universität Medizinische Hochschule Brandenburg CAMPUS GmbH (MHB) zur Einrichtung einer Stelle "Weiterbildungskoordinator:in Allgemeinmedizin" ein. Hierzu wird eine Bezuschussung in Höhe von max. 35.000 Euro jährlich durch den Landkreis bereitgestellt. Die Stelle ist bereits besetzt. Der Landkreis unterstützt damit aktiv die Perspektive zur fachärztlichen Weiterbildung nach dem Studium in niedergelassenen Praxen. Der medizinische Nachwuchs soll frühzeitig im ländlichen Raum eingesetzt werden, um die Arbeit der hausärztlichen und fachärztlichen Versorgung mit den besonderen Herausforderungen des ländlichen Raumes kennen und im optimalen Fall auch schätzen zu lernen.
Zu den Projekten, die ebenfalls in das Kreisentwicklungskonzept aufgenommen wurden, gehört das Kreisjugendforum OPR. Dieses hat sich weiter verstetigt und konnte zum zweiten Mal im Jahr 2024 als großes Event durchgeführt werden. Am 21. September 2024 fand in der DGB-Jugendbildungsstätte in Flecken Zechlin das zweite Kreisjugendforum in Verbindung mit dem Jugendfestival „Our Future“ statt. Gemeinsam mit dem Modellprojekt „Organize – für Mitbestimmung vor Ort“ und der Partnerschaft für Demokratie in OPR ermöglicht der Landkreis Kindern und Jugendlichen eine Mitbestimmung vor Ort. Auch 2025 wird das Kreisjugendforum wieder stattfinden.
Im Handlungsfeld Umwelt und Energie sind ebenfalls Fortschritte in der weiteren Bearbeitung und Umsetzung zu verzeichnen, so beispielsweise die Entwicklung und Umsetzung von Maßnahmen zur Abfallvermeidung. Der Landkreis OPR hatte sich in seinem Abfallwirtschaftskonzept 2023 dazu entschlossen, die Thematik der Abfallvermeidung in einem separaten Konzept umfassend darzustellen. Dieses separate Abfallvermeidungskonzept (AVK) wurde im Kreisentwicklungskonzept als eigenständiges Projekt verankert. Eingebracht hat dieses Projekt das Sachgebiet öffentlich-rechtlicher Entsorgungsträger (örE). Als Projektkoordinator wird die Abfallberatung benannt. Im vergangenen Jahr wurde von der kreislichen Abfallberatung ein Abfallvermeidungskonzept mit einem Maßnahmenkatalog und Umsetzungsideen für die Kreisverwaltung, für den gesamten Landkreis und für einzelne Kommunen erarbeitet. Seit Anfang Februar 2025 liegt der Entwurf des AVK vor und soll im Juni im Umweltausschuss vorgestellt werden.
Zum Projekt zur Weiterentwicklung der Kyritz-Ruppiner Heide (KRH) unter Aspekten des Tourismus und Naturschutzes gehört unter anderem auch die Weiterentwicklung des Areals zum Sternenpark. Die KRH gehört zu den dunkelsten Orten Deutschlands. Um dieses Alleinstellungsmerkmal für die touristische Entwicklung unserer Region zu nutzen, bemüht sich der Landkreis um eine offizielle Anerkennung der KRH als Lichtschutzgebiet bei der DarkSky International (DSI). Der Antrag für eine Anerkennung soll noch in diesem Jahr bei der DSI eingereicht werden. Als Voraussetzung dafür ist der Landkreis bereits Mitglied bei der DSI geworden. Der Antrag wird durch Unterstützerschreiben von Kommunen, Institutionen und Personen unterstützt. Mit angrenzenden Kommunen wurde im vergangenen Jahr bereits eine Beleuchtungsrichtlinie mit Optimierungsvorschlägen für die Beleuchtung abgestimmt. Die ersten Umbauten sind in Frankendorf und Basdorf erfolgt. Seit Mitte Februar 2025 liegt eine Machbarkeitsstudie zur touristischen Entwicklung eines Sternenparks vor.
Zwei weitere Projekte aus dem Handlungsfeld Umwelt und Energie betreffen die Einführung einer Planungsrunde für eine flächensparende erneuerbare Energieerzeugung sowie die gemeinsame Errichtung und der Betrieb einer Bioabfallvergärungsanlage. Bezüglich der geplanten Vergärungsanlage erfolgte bereits im vergangenen Jahr die Gründung eines Zweckverbandes mit dem Landkreis OPR, den Städten Brandenburg an der Havel und Potsdam sowie den Landkreisen Havelland und Stendal. Neben dem Landkreis Havelland transportiert auch unser Landkreis seit Anfang 2025 anfallenden Biomüll in die Bestandsanlage nach Schwanebeck bei Nauen. Im Jahr 2026 folgen dann der Landkreis Stendal und die Städte Brandenburg an der Havel und Potsdam. Derzeit wird der Biomüll noch in geschlossener Mietenkompostierung behandelt. Für die ergänzende Vergärungsanlage wird ein erster Bauabschnitt gerade vorbereitet. Die Genehmigung soll zeitnah erfolgen. Für den zweiten Bauabschnitt läuft noch das Genehmigungsverfahren beim Landesamt für Umwelt.
In einem weiteren Projekt geht es um die aktuellen Herausforderungen des Netzausbaus und der Stromverfügbarkeit in Zusammenhang mit dem Bau von erneuerbaren Energieanlagen. Zum Hintergrund: Für die Ansiedlung von stromintensivem Gewerbe ist die Bereitstellung von ausreichender Bezugsleistung durch den Netzbetreiber ausschlaggebend. Es muss dafür gesorgt werden, dass der nachhaltig erzeugte Strom auch zum Verbraucher gelangt, und dafür müssen die Netze weiter ausgebaut werden. Vor diesem Hintergrund hatte der Landkreis OPR im Dezember vergangenen Jahres zu einer Fachtagung Netzverfügbarkeit und Gewerbeflächenentwicklung eingeladen. Experten des Verteilnetzbetreibers E.DIS haben Vertretern der Kommunen, der Stadtwerke Neuruppin und der REG über den künftigen Netzausbau und die aktuellen Herausforderungen in der Netzregion informiert. Durch den starken Zubau der erneuerbaren Energien muss entsprechend auch die Infrastruktur diesem Trend angepasst werden. Außerdem veranstaltete der Landkreis im Rahmen des Naturschutzbeirates ein Forum zum naturverträglichen Ausbau der Erneuerbaren Energien mit Schwerpunkt Photovoltaik. In einem nächsten Schritt sollen auch die Kommunen und deren politische Vertreter für einen naturverträglichen Ausbau von Photovoltaik-Freiflächenanlagen informiert und sensibilisiert werden. Der Landkreis bemüht sich weiterhin in Verhandlungen mit dem Netzbetreiber E.DIS um einen zeitnahen Ausbau der Netzinfrastruktur, um die Stromversorgung in unserer Region zu sichern und auszubauen.