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In diesem Jahr stehen die Osterfestspiele Schloss Rheinsberg, die 2019 von Georg Quander gegründet wurden, unter dem Motto "Last und Lust der Macht" und thematisieren musikalisch sowie philosophisch die Rolle des Herrschers - unter anderem bei der Wiederaufführung von Carl Heinrich Grauns Oper "Silla", bei "Britannicus" von Jean Racine, das Puppenspiel dargeboten wird, oder auch bei einer musikalisch-literaischen Matinee mit Christian Berkel zum "Antimachiavell", einem politischen Manifest von Friedrich II.

Zur Einstimmung auf die Festspiele erklingt zuvor am Gründonnerstag, 6. April 2023, um 19 Uhr beim Osterkonzert unter anderem das beliebte "Stabat mater“ von Giovanni Battista Pergolesi sowie Musik aus dem Umkreis der historischen Rheinsberger Hofkapelle des Kronprinzen Friedrich in der St. Laurentiuskirche in Rheinsberg. Es musiziert die amtierende Rheinsberger Hofkapelle "Ensemble Brezza" gemeinsam mit Anna Graf (Sopran) und Filippo Mineccia (Countertenor). In der Kirche gilt eine freie Platzwahl.

Die Vorstellungen von Carl Heinrich Grauns "Silla" im Schlosstheater Rheinsberg am Karfreitag, 7. April 2023, um 18 Uhr und am Ostersonntag, 9. April 2023, um 16 Uhr sind der diesjährige Höhepunkt der Osterfestspiele. Die Oper "Silla", nach einem Libretto aus der Feder  Friedrich des Großen, ist eine Koproduktion der Osterfestspiele Schloss Rheinsberg und der Innsbrucker Festwochen der Alten Musik und wurde im Sommer 2022 in Innsbruck erstmals nach fast 240 Jahren wiederaufgeführt. Zuletzt war das Stück 1783 auf einer Opernbühne zu erleben, dann verschwanden die Noten aus dem Gedächtnis und wurden jetzt auf Initiative von Georg Quander, seit 2018 künstlerischer Direktor der Musikkultur Rheinsberg, dem Archivschlaf entrissen. Die handschriftlichen Partiturabschriften von „Silla“ liegen in der Staatsbibliothek in Berlin. Aus den Quellen hat Roland Steinfeld 2020 im Auftrag der Musikkultur Rheinsberg eine kritische Urtextausgabe erarbeitet. Nun wird das Werk, das 1753 und damit vor genau 270 Jahren, an der Königlichen Hofoper in Berlin uraufgeführt wurde, in Rheinsberg erklingen - an dem Ort, an dem der Librettist des Stückes, der preußische König Friedrich der Große gemeinsam mit seinem Hofkapellmeister Carl Heinrich Graun und anderen Mitgliedern der Hofkapelle seine künstlerischen Visionen entwickelte.

In "Silla" brachte Friedrich der Große in dem von ihm selbst verfassten Libretto eine Herrscherfigur auf die Bühne, mit der er sich selbst identifizierte: Das Werk handelt vom römischen Diktator  Lucius Cornelius Sulla, der durch die blutige Niederschlagung des römischen Bürgerkriegs, vor allem aber durch seinen anschließenden, alle Parteigänger überraschenden, freiwilligen Machtverzicht, bei dem er nach vollendeter Aufgabe die Macht zurück in die Hände des Senates legte, literarische Berühmtheit erlangte. Der preußische König Friedrich  thematisiert dabei in seinem Libretto, ebenso wie in den beiden anderen Opernbüchern aus seiner Hand („Coriolano“ und „Montezuma“), die Rolle des Herrschers und seine Pflichten, mit denen er sich bereits als Kronprinz während seiner Rheinsberger Zeit und in seiner Streitschrift „Antimacchiavell“ auseinandergesetzt hatte. Aber natürlich kommt in "Silla" - wie es in Opern üblich ist - auch das Thema Liebe nicht zu kurz.

Nun ist das Werk, für das Friedrichs Hofkapellmeister Carl Heinrich Graun eine packende Partitur schuf, in Rheinsberg zu erleben. Die Wiederentdeckung begeisterte bereits im vergangenen Jahr das Publikum in Innsbruck. Grauns musikalisch reiche und anspruchsvolle Partitur stellt für das heutige Theater dabei eine besondere Herausforderung dar, da der Besetzungszettel allein vier große Kastratenpartien ausweist. Man ist daher glücklich, vier der besten Countertenöre der internationalen Opernszene für diese Aufgaben gewonnen zu haben: So übernimmt Bejun Mehta die Titelpartie, Valer Sabadus, Samuel Mariño und Hagen Matzeit sind seine Gegenspieler Metello, Postumio und Lentulo. Der Tenor Merti Süngü gestaltet den intriganten Freigelassenen Crisogono und Eleonora Bellocci und Roberta Invernizzi übernehmen die beiden weiblichen Rollen. Erstmals wird auch ein regionaler Akteur bei der Rheinsberger Produktion mitwirken: Der Neuruppiner Kammerchor Chorisma wird als römisches Volk im Schlosstheater singend auf der Bühne stehen. Es spielt das Orchester der Innsbrucker Festwochen für Alte Musik, die musikalische Leitung liegt in den Händen des international tätigen Dirigenten Alessandro De Marchi, die Inszenierung stammt von Georg Quander, Bühne und Kostüme hat Julia Dietrich entworfen - alles Garanten für eine stilistisch perfekte Aufführung.

Als zweiter szenischer Höhepunkt der Osterfestspiele Schloss Rheinsberg erwartet die Zuschauer:innen im Schlosstheater am Samstag, 8. April 2023, um 18 Uhr Jean Racines „Britannicus“, auf den Friedrich in seinem Manifest „Der Antimachiavell“ Bezug nimmt. Mit Blick auch auf ein junges Publikum kreiert Astrid Griesbach, Regisseurin und Professorin für Puppenspielkunst an der Hochschule für Schauspiel „Ernst Busch“, aus der fünfaktigen personenreichen Tragödie von Jean Racine eine konzentrierte Fassung für einen Schauspieler, einen Sänger und Puppenspiel – eine poetische Reflexion über Macht mit Fokus auf die weibliche (Ohn-) Macht:  Agrippina, Mutter des Nero und des Britannicus, hat den älteren Sohn durch eine Intrige auf den Thron gebracht, doch dieser begehrt die Braut des Britannicus, bringt den Bruder in seine Gewalt und vergiftet ihn– gegen Agrippinas Willen, die erkennen muss, dass ihr Werkzeug zum Tyrannen wurde. Der Sänger Pedro Matos, lyrischer Tenor mit Schwerpunkt Barock, der Schauspieler Merten Schroedter und die Schauspielerin und Puppenspielerin Hannah Elischer erwecken Racines Studie der Macht im Rheinsberger Schlosstheater zum friderizianisch inspirierten Bühnenleben.

Auf Natur- und Kulturliebhaber wartet am Sonntag, 9. April 2023, um 11 Uhr ein Osterspaziergang, bei dem die Teilnehmer:innen mit der Kultur- und Landschaftsführerin Jeanette Lehmann den Schlosspark Rheinsberg am Grienericksee, ein gartenkünstlerisches Kleinod der Übergangsphase zwischen Barockgarten und Landschaftspark, entdecken werden. Gemeinsam soll die erwachende Natur genossen und auf den Spuren Friedrichs und seines kunstliebenden Bruders, Prinz Heinrich, der dem Park seine beeindruckende Gestalt verlieh, gewandelt werden. Treffpunkt ist am Kronprinz-Friedrich-Denkmal.

Zum Ausklang der Osterfestspiele gibt es am Ostermontag, 10. April 2023, um 11 Uhr im Schlosstheater Rheinsberg eine musikalisch-literarische Matinee. Begleitet von Musik aus der Entstehungszeit bringt der renommierte Schauspieler Christian Berkel das staatstheoretische Manifest „Der Antimachiavell“ zum Vortrag, das der philosphierende Preußenkönig Friedrich II in Rheinsberg verfasst hat. Es musizieren die amtierende Rheinsberger Hofkapelle "Ensemble Brezza" und Tenor Jean Philipp Chey, die Ausschnitte aus „Titus“ von Christoph Willibald Gluck darbieten.

Karten für sämtliche Veranstaltungen sowie weitergehende Informationen erhalten Sie hier: www.kammeroper-schloss-rheinsberg.de

Höhepunkt der Osterfestspiele Schloss Rheinsberg ist die Aufführung der Oper Silla - hier ein Foto der Wiederaufführung in Innsbruck 2022. © Birgit Gufler
Höhepunkt der Osterfestspiele Schloss Rheinsberg ist die Aufführung der Oper Silla - hier ein Foto der Wiederaufführung in Innsbruck 2022. © Birgit Gufler
30.03.2023 
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